A.B. Yehoshua zur Lage im Nahen Osten
Der berühmte israelische Schriftsteller A.B. Yehoshua hat sich in einem Interview mit der Ha'aretz zum israelisch-arabischen Konflikt und dem zweiten Libanonkrieg geäussert. Angesichts der aktuellen Situation im Gaza-Streifen zweifelt der 71jährige zunehmend am Willen der Palästinenser, eine Zwei-Staaten-Lösung herbeizuführen.
Dabei verweist er vor allem anderen auf das Verhalten der Hamas, die nach der Abkoppelung vom Gaza-Streifen ihren andauernden Beschuss auf Israel fortsetze, anstatt zu sagen: "Seht, sie haben sich sogar ohne ein Abkommen zurückgezogen, sind geflüchtet. Jetzt nehmen wir Gaza und bauen es auf und investieren hier Gelder." Dies hätte Israel einen Anreiz gegeben, auch Judäa und Samaria zu verlassen.
Yehoshua beharrt trotz allem auf der Zwei-Staaten-Lösung, da es sich hier um "zwei völlig verschiedene Völker" handele, in Bezug auf "Religion, Kultur und Sprache". "Es sind zwei Existenzen, zwischen denen in wirtschaftlicher Hinsicht ein Abgrund besteht, die beide auch mit dem Ausland verbunden sind. Die Palästinenser mit der arabischen Welt, wir mit der jüdischen Welt. Ein binationaler Staat ist das Rezept für die Vernichtung des israelischen Staates."
In Anbetracht der palästinensischen Praxis von Selbstmordanschlägen meint der Schriftsteller dabei, dass Juden und Araber verschiedenen moralischen Codes folgen würden: "Ich glaube nicht, dass es während des Holocaust jemanden gegeben hat, der dies [sich in die Luft zu sprengen] seinem Sohn gesagt hätte. Und ich rede hier noch nicht einmal von der Ermordung deutscher Kinder, sondern lediglich davon, sich innerhalb der deutschen Armee in die Luft zu sprengen, die einen ermorden wollte. Wir wollen sie nicht vernichten, und sie verteilen Süssigkeiten in Gaza. Nachdem sie gesehen haben, dass sie Kinder und Alte getötet haben, verteilen sie Süssigkeiten?! Ihr Selbstmord rührt nicht etwa nur von hier her. Man sieht ihn im Irak, man sieht in an allen möglichen Orten. Sie ermorden ihre Brüder, ihre eigenen Leute ermorden sie."
Ungeachtet der Tatsache, dass Yehoshua am Ende des zweiten Libanonkriegs gemeinsam mit den Schriftstellern Amos Oz und David Grossman zu einem Waffenstillstand aufgerufen hatte, lässt er nach wie vor keinen Zweifel daran, dass er die israelische Offensive grundsätzlich und von Anfang an unterstützt hat: "Auf jeden Fall habe ich zugestimmt. Eine militärische Organisation, die keinen Staat kontrolliert, die Tausende Raketen abgefeuert und verkündet hat, den Staat Israel zu vernichten, entführt zwei Soldaten, tötet acht, lässt Katyushas regnen. Was soll ich da tun? Was soll ich da tun?"
Auch das Ergebnis des Krieges bewertet er positiv: "Es kamen alles in allem gute Dinge dabei heraus. Eine internationale Truppe ist an der Grenze stationiert. Dass deine Armee schwach ist? Dass plötzlich grosse Probleme in der Armee offensichtlich werden? Es lässt sich sagen: Gut, dass dies in diesem begrenzten Krieg entdeckt wurde. Aber grundsätzlich wurde der libanesischen Regierung übermittelt: Meine Herren, es kann nicht angehen, dass ihr eine Organisation habt, die ihr nicht kontrolliert. D.h. ihr sitzt in Beirut und spielt dort im Kasino, und alles ist nett, ihr habt dort schöne Kabarette und all das, und es gibt hier irgend so eine wahnsinnige Organisation. Man stelle sich vor, wir würden den Arabern sagen: Seht, wir sind ein friedliebendes Land, aber wir haben eine Luftwaffe, die verrückt ist, und hin und wider holt sie ihre Flugzeuge raus und bombardiert euch."
Diese Woche ist Yehoshuas neues Buch "Ahizat Moledet" ('Festhalten an der Heimat') erschienen, eine Sammlung von Essays und Vorträgen.
(Ha'aretz, 15.02.08)
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