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Die leise Revolution Tzipi Livnis

Von Avirama Golan

Tzipi Livni wurde nicht zur Kandidatin für das Amt des Ministerpräsidenten gewählt, weil sei eine Frau ist. Auch nicht, weil sie eine 'Zivilistin' ist. Nicht weil sie rechts und nicht weil sie links ist. Sie wurde gewählt, weil sie geeigneter ist als ihre Rivalen. Die Wahl fand zwar in den Vorwahlen von Kadima statt, aber diese politische Ortbestimmung, die die kommende Regierung zusammensetzen wird, ist definitiv Teil eines neuen Trends: nicht rechts, nicht links, nicht herkunftsbedingt, nicht sicherheitspolitisch, nicht Frau, nicht Mann. Es naht das endgültige Ende der alten Teilungen.

Israels stellvertretende Ministerpräsidentin und Aussenministerin Tzipi LivniDas heisst selbstverständlich nicht, dass die israelische Gesellschaft sich plötzlich um die nüchtern-ernsthafte, pragmatische Staatsräson Livnis schart und die Sektoren und Klüfte beiseite wischt. Aber es heisst, dass sich auch in Israel ähnliche Vorgänge wie im Rest der Welt vollziehen, im Zuge derer Personen an die Macht kommen, die vor zwanzig dreissig Jahren keine Aussicht darauf hatten, ein Ministerbüro von innen zu sehen: Frauen, Menschen aus Randgruppen, Kinder von Einwanderern und Armen.

Mit Ausnahme Skandinaviens, wo eine umfassende Bevorzugung von Frauen eingeführt wurde, sind - vor allem in Europa und den USA - nur sehr fleissige, hartnäckige und ambitionierte Frauen in hohe Ämter gelangt. In den vergangenen Jahren geht jedoch eine leise Revolution vonstatten: In der französischen Regierung gibt es sieben Frauen in Schlüsselfunktionen (darunter das Finanz- und das Justizministerium), in Deutschland gibt es eine weibliche Kanzlerin und in Spanien eine junge und energische Verteidigungsministerin.

Nun besteht die nicht geringe Aussicht, dass in Israel eine Frau Ministerpräsidentin wird, die gewählt und nicht wie Golda Meir "auf Befehl der Bewegung" ernannt wurde. Und man betrachte es als ein Wunder - abgesehen von ein oder zwei sexistischen Kommentaren (die mehr dem Urheber als Livni selbst schaden) scheint es niemandem wichtig zu sein, ob sie ein Mann oder eine Frau ist. Ihre Anhänger und ihre Gegner bezogen sich gleichermassen auf ihre Inhalte und Fähigkeiten.

Ein gutes Zeichen? Kein schlechtes. Es stimmt, dass Frauen im Grossteil der Welt noch an Unterdrückung und Diskriminierung leiden, aber man kann - mit gewisser Vorsicht - sagen, dass sie in der Politik bereits den ihnen angemessenen Platz besetzen. Nicht zufällig: Die Männer haben schon seit langem verstanden, dass diese eine zu schwierige Aufgabe ist.

(Ha'aretz, 18.09.08)

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