Merkwürdiges |
Die palästinensische Position ist wichtig Von Shlomo Avineri Prof. Shimon Shamir hatte Recht, als er in seinem Kommentar, der am 17. August 2009 in Ha'aretz erschien, sagte: "Es ist nicht unsere Angelegenheit, ob sich Ägypten als islamisch, arabisch, afrikanisch oder pharaonisch bezeichnet. Wir erkennen Ägypten als politische Einheit an." Basierend auf dieser Prämisse plädierte Shamir dafür, dass wir die Forderung, die Palästinenser sollten Israel als den Staat des jüdischen Volkes anerkennen, fallen lassen sollten. Doch dieser Vergleich ist aus verschiedenen Gründen nicht stichhaltig. Erstens hat Israel die Existenz Ägyptens als politische Einheit nie in Frage gestellt. Andererseits haben sich die Palästinenser durch ihre Ablehnung des UNO-Teilungsplans geweigert, den jüdischen Staat anzuerkennen. Stattdessen haben sie die Strategie verfolgt, ihn zu zerstören. Dies ist schliesslich die Wurzel des Konflikts. In der Tat basiert die palästinensische Erzählung auf der Ablehnung der Existenz eines jüdischen Nationalstaates in jedem Teil des Gebietes, das sie Palästina nennen. Wenn man dem jüdischen Staat den Krieg erklärt hat, verpflichtet dann nicht die Unterzeichnung eines Friedensvertrages mit diesem Staat, ihn anzuerkennen? Dies bedeutet nicht, dass die Palästinenser die zionistische Erzählung akzeptieren sollen. Doch es obliegt ihnen, ihre Erzählung, die die Existenz eines jüdischen Staates ausschliesst, zu ändern. In Camp David und Oslo tat Israel dies: Unter den Bedingungen von international bindenden Abkommen hat sich Israel dazu verpflichtet, "die legitimen Rechte der palästinensischen arabischen Nation" anzuerkennen. Menachem Begin war der erste, der dies tat. Für viele Zionisten -und nicht nur für diejenigen, die von der rechtsgerichteten Cherut-Bewegung beeinflusst waren- war dies schwierig. Im Gegensatz zu dem, was in extrem rechten Kreisen gedacht wird, ist dies jedoch nicht gleichbedeutend mit der Preisgabe der zionistischen Erzählung, sondern es ist die Bereitschaft, die Legitimität einer konkurrierenden Erzählung zu akzeptieren und einen Kompromiss zu suchen. Wir bitten die Palästinenser nur um das, was wir selbst in der Vergangenheit bereits getan haben. Als Aussenministerin erwähnte Tzipi Livni, die das Prinzip von zwei Nationenstaaten für zwei Völker vertrat, jedes Mal, dass dies die palästinensische Anerkennung von Israel als einem Staat für das jüdische Volk nach sich ziehe. Benjamin Netanyahu war nicht der erste, der dieses Thema anschnitt. Es bleibt unklar, ob er in der Art und Weise, in der er dem Thema eine solche Bedeutung gab, weise handelte. Doch was viele Israelis -nicht nur Mitglieder der rechtsgerichteten Likudpartei- schockierte, war die unverblümte und scharfe Reaktion von offiziellen Sprechern der Palästinenser. Shamir argumentierte, dass die Palästinenser durch ihre heftige, negative Antwort "in die Falle liefen, die ihnen diejenigen, die die Anerkennung eines jüdischen Staates gefordert hatten, gestellt hatten". Doch allem Anschein nach lief niemand in eine rhetorische Falle. Die Reaktionen waren eher Ausdruck einer tiefen, verinnerlichten ideologischen Wahrheit, die sich bis zu diesem Tag weigert, die Legitimität des Rechts des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung anzuerkennen. Denn was die Palästinenser angeht, sind die Juden keine Nation sondern eher eine religiös-ethnische Gruppierung. Doch die Palästinenser müssen verstehen, dass sie die Behauptung von Golda Meir "Es gibt kein palästinensisches Volk." auf ihre Sicht über das jüdische Volk übertragen. Wenn sie sich selbst als Nation definieren, dann sind sie eine Nation. (Ha'aretz, 20.08.09) |