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Israel ist kein Kind der Shoah

Von Eli Eyal

Niemand konnte damals wissen, dass aus der Verwüstung der Shoah eines Tages der Staat Israel erstehen würde, sagte US-Präsident Barack Obama bei seinem Besuch in Buchenwald. Kein Zweifel, dass diese Worte mit guter Absicht gesprochen wurden, aber die historische Folgerung ist fehlerhaft.

Die Zentralität der Shoah in der neueren jüdischen Geschichte - man könnte sie auch als Herz der jüdischen Geschichte der letzten Jahrzehnte bezeichnen - ist in das kollektive jüdische Gedächtnis eingekerbt. Dennoch erfordert die historische Methodologie Exaktheit. Wurde der Staat Israel tatsächlich aus dem Unglück der Shoah heraus geboren? Im Zuge der Diskussion mit Holocaust-Leugnern wird dieser historische Fehler mitunter wiederholt. Auch im Rahmen der erbitterten Auseinandersetzung mit den Palästinensern stellen Manche das palästinensische Unglück der jüdischen Shoah gegenüber. Dies sickerte ein und schuf eine entstellte historische Auslegung, die sich nicht nur der amerikanische Präsident irrtümlich zu Eigen gemacht hat; auch führende israelische Politiker, die sich von der Rhetorik hinweg tragen lassen, wenn sie sich auf die Shoah beziehen, neigen mitunter zu historischer Verwirrung.

Ich habe dies einmal Dr. Josef Burg bei einem Mittagessen des World Jewish Congress sagen hören, nach seinem Besuch der Wannsee-Villa, wo die 'Endlösung' geplant wurde. Als ich ihn fragte, ob er nicht denke, dass es die zionistische Bewegung und die zionistische Idee gewesen seien, die den Staat Israel hervorgebracht hätten, und die Shoah einen gewaltigen Katalysator dargestellt habe, der dabei half, eine historische Stunde der Entscheidung zu schaffen, die die Ausrufung des Staats ermöglichte, murmelte er verlegen, dass er wahrscheinlich nicht richtig verstanden worden sei.

Wenn es im Land Israel keine jüdische Ansiedlung und keine jüdische Gemeinschaft gegeben hätte; wenn es nicht die Balfour-Erklärung gegeben hätte; wenn es hier nicht die Infrastruktur eines Staates 'auf dem Weg' gegeben hätte - wäre es unmöglich gewesen, den Staat zu gründen. Der internationale Druck, der in der UNO erzeugt wurde, rührte vom bedrohlichen Unheil her, das dem jüdischen Volk widerfahren war, aber hauptsächlich von der Tatsache der Existenz einer jüdischen Gemeinschaft im Land Israel.

Man könnte daran erinnern, dass der Herzlsche Zionismus, der die Unterstützung von rechts wie von links gewann, einen Teil der Argumentation auf der Notwendigkeit der Schaffung eines sicheren Zufluchtsortes für das jüdische Volk aufbaute, der es von der zu erwartenden Katastrophe schützen würde. Man nannte diese Sichtweise Katastrophen-Zionismus. Im Nachhinein wird behauptet, dass der Zionismus die Anzeichen der nahenden Shoah verpasst hätte und bei der rechtzeitigen Schaffung eines Zufluchtsorts für das jüdische Volk gescheitert sei.

Wenngleich der Zionismus ohne die Verfolgungen nicht auf die Welt gekommen wäre, haben die Verfolgungen für sich genommen doch nicht die nationale Wiedergeburt hervorgebracht. Der Antisemitismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts hat zur Geburt der zionistischen Revolution geführt. Politische Bewegungen entstehen nicht in einem Vakuum. Ohne die Monarchie der Bourbonen hätte sich die Französische Revolution nicht ereignet. Ohne den Zarismus des Hauses Romanow hätte sich 1917 die Oktoberrevolution in Russland nicht ereignet.

Ben-Gurion verstand dies gut. Demzufolge wird die Shoah in der Unabhängigkeitserklärung nicht erwähnt. Er wusste, dass man die Shoah nicht als den Faktor betrachten kann, der der Gründung des Staates und dem historischen Recht des jüdischen Volkes Legitimität verleiht. Es gab vielleicht manche, die sich von Ben-Gurions Ausserachtlassung der Schrecken der Shoah als Basis des historischen Rechts des jüdischen Volkes distanzierten, aber es ist eine Tatasche, dass die Shoah von Anfang an nicht als Quelle des Rechts des jüdischen Volkes auf eine nationale Heimstätte dargestellt wurde.

Eli Eyal ist Redakteur der Zeitschrift "Kivunim Chadashim"

(Ha'aretz, 09.06.09)

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