Merkwürdiges |
Palästinensische Selbstmordstrategie Von Barry Rubin Verständlicherweise können viele Menschen in der heutigen Welt nicht die palästinensische Ideologie und Strategie nachvollziehen, weil diese, verglichen mit normaler Politik, so bizarr ist. Bevor man die Grundprinzipien des palästinensischen Zugangs an die Materie betrachtet, ist es sinnvoll sich anzusehen, wie die Dinge normalerweise laufen und wie sich die Menschen auf Grund dessen die palästinensische Politik, die sie nicht kennen, vorstellen. Normale Politik weist realisierbare Ziele auf, widmet dem Kräftegleichgewicht eine nicht geringe Aufmerksamkeit, vermeidet es, Konflikte zu verlieren und strebt nach einem stabilen Staat. Hohe Prioritäten haben ausserdem die Anhebung des Lebensstandards und der Bau effektiver Institutionen, die dem Volk dienen. Jeden Tag versuchen westliche Regierungen, Medien und Akademiker, dieses Modell dem palästinensischen Verhalten und der palästinensischen Politik und Ideologie aufzuerlegen. Doch es funktioniert nicht. Die Dinge, von denen viele im Westen denken, sie motivierten Palästinenser –ein eigener Staat, das Ende der Besatzung- sind für die Palästinenser selbst im Grunde gar nicht von Interesse. Das Interesse wird nur vorgetäuscht und die einzige Möglichkeit, diese Vortäuschung aufrecht zu erhalten, ist eine Kombination aus Amnesie und Verzicht auf diese Art von rationaler Analyse, die benutzt wird, um alle anderen politischen Situationen in der Welt zu betrachten. Ich muss hinzufügen, dass palästinensische Intellektuelle privat (jedoch niemals öffentlich) ziemlich ähnlich klingen wie ich. Immer wieder hört man Abscheu, Verzweiflung und tiefgehenden Zynismus im Zusammenhang mit den unten stehenden Grundprinzipien. Glaubt man der gegenwärtigen palästinensischen Ideologie und Strategie, ist der Konflikt unlösbar und es gibt keine Möglichkeit, die Gewalt zu stoppen. Andererseits, sozusagen als Ergebnis, funktionieren palästinensische Taktiken nicht, die Politik ist nicht organisiert und die militärische Strategie ist sinnlos. Die Palästinenser können Israel zwar schikanieren, doch mehr können sie nicht tun. Im Folgenden nun die Basispunkte, die helfen sollen, die palästinensische Politik besser zu verstehen: - Es gibt kaum moderate Palästinenser im öffentlichen Leben und die wenigen, die es gibt, halten ihren Mund oder geben die militante Mehrheitsmeinung wieder. Mit wenigen Ausnahmen – die an den Fingern abzuzählen sind - kann ein moderater Palästinenser in der Praxis gewöhnlich als jemand definiert werden, der sich in gutem Englisch für den Terror entschuldigt. Das Mantra "Man muss den Moderaten helfen" kann unter diesen Bedingungen nicht funktionieren. - Die Strategien der Fatah und der PLO beruhen auf dem Glauben, dass Niederlagen aufgehalten werden können so lange man kämpft. Ihr einzig wahrer Sieg ist das Andauern des Kampfes. Natürlich sind die Kosten dafür nicht nur Gewalt, Leiden und Störungen des täglichen Lebens, sondern auch der Misserfolg bzgl. des Erreichens irgendwelcher materiellen Werte. Deshalb ist das Konzept des "Kreislaufs der Gewalt" zwecklos. Palästinenser greifen Israel nicht an, weil Israel sie angreift, sondern weil dies das einzige Programm ist, das sie haben. - Was auch immer die gewöhnlichen Leute im Privaten denken mögen, die grosse Mehrheit der Aktivisten glaubt, alles müsse dem Kampf untergeordnet werden. Demokratie, Lebensstandard, Rechte für Frauen usw. haben keinen Wert, es sei denn, sie tragen zum Kampf gegen Israel bei. Deshalb versagt das Prinzip, an materielle Interessen der Palästinenser zu appellieren oder einen Führer zu finden, der die Prioritäten im Erreichen von Frieden und Wohlstand sieht. - Das Zwischenziel lautet, vorgetäuschte Siege für sich zu beanspruchen. Diese sind in der Realität jedoch nichts anderes als teure Niederlagen. Wenn nach 40jährigem bewaffnetem Kampf der grosse Triumph der Bewegung darin besteht, dass einmal im Jahr ein israelischer Vorposten zerstört und ein israelischer Soldat entführt wird, dann zeigt dies eine bemerkenswerte Schwäche auf dem Kampffeld. Indem man Israel durch Raketenangriffe Schaden zufügt, dient man keinen palästinensischen Strategiezielen. Das einzige Ziel, das erreicht wird, besteht darin, dass sich die Menschen in Anbetracht dieses Schadens gut fühlen (obwohl sie selbst viel mehr Schaden dadurch erleiden). Märtyrer zu feiern bedeutet schlichtweg, mit den eigenen Opfern zu prahlen. - Die soziale Politik der Bewegung ist beachtenswert reaktionär. Trotz ihrer linken Fassade aktiviert sie –ausser dem Publikum, das die Helden bejubelt- nicht die Massen. Die Fatah hat weder eine ökonomische noch eine soziale Politik. Und die Hamas versucht, das, was sie "Palästina" nennt, in einen zweiten Iran oder ein zweites Afghanistan zu verwandeln. Man hat mehr gemeinsam mit dem Weltbild des Mittelalters als mit dem chinesischen oder kubanischen Visionen von Guerillakriegen. Palästinensische Gruppen nutzen nur einen winzigen Teil des Potentials weiträumiger sozialer Mobilisation. - Infrastruktur ist nicht nur unwichtig, sie stört den umfassenden Kampf. Denn wenn sich Palästinenser mit der Schaffung von Arbeitsplätzen, Erziehungs- oder Gesundheitssystemen oder einer erfolgreichen Wirtschaft beschäftigen, macht sie das zufriedener bezüglich ihres Schicksals und weniger willig, für die Sache zu kämpfen und zu sterben. Dieses Konzept, das für westliche Beobachter unerfreulich ist, ist im Nahen Osten normal. Man muss sich nur einmal Saddam Husseins unverantwortliche Aggression und die Vorliebe der syrischen Herrscher für Stagnation anstatt für Reformen ansehen. - Benutze das Leiden deines Volkes, um internationale Unterstützung zu erhalten. Die palästinensischen Führer schrecken nicht vor Zerstörung oder dem Leiden des Volkes zurück. Nachdem gesagt worden war, die Hamas habe die Minen verlegt, die palästinensische Zivilisten letzten Monat getötet haben, meinte eine amerikanische Zeitung, dass die Hamas dem eigenen Volk so etwas doch niemals antun würde. Im Gegenteil: Es gibt ein langes Muster der Opferung palästinensischen Lebens und Wohlstandes für Propagandazwecke. Kinder werden von offiziellen palästinensischen Medien ermutigt, Terroristen und somit "Märtyrer" zu werden. - Lüge ohne Ende, belüge nicht nur alle anderen sondern auch dich selbst. Porträtiere Israel immer als falsch und Amerika immer als feindlich. Die Unfähigkeit der Palästinenser, über diese Propaganda hinauszugehen, und die pausenlose Dämonisierung haben –ausser in seltenen Zeiten während des Oslo-Prozesses- sichergestellt, dass die Palästinenser nicht erfolgreich im Umgang mit diesen Ländern sind. So lautet eine Verlierer-Strategie: Zerstöre deine Infrastruktur; mache internationale und sogar arabische Unterstützung durch Extremismus zunichte –niemand ist mehr überrascht, dass nicht einmal arabische Staaten etwas tun, um den Palästinensern aus ihrem Durcheinander herauszuhelfen-; werfe Chancen für das Erreichen von Zwischenzielen (einen Staat zu bekommen) weg, um keine Kompromisse bezüglich der Chance auf einen totalen Sieg einzugehen; wiederhole alte Fehler; freue dich über Niederlagen, die Märtyrer hervorrufen; verhöhne die einzige Supermacht der Welt; preise die Anarchie; büsse jede Chance ein, die Sympathien der anderen Seite zu erlangen. Eine solche Selbstmordstrategie kann - wie die Selbstmordanschläge auch - dem Feind Verluste zufügen, ihn jedoch nicht besiegen. In der Tat garantiert das Opfern so vieler möglicher Vorteile, dass die Kluft ständig breiter wird, und zwar zum Vorteil der anderen Seite. Da jedes Zeichen von Widerstand gegen diesen katastrophalen Zugang an die politische Materie fehlt, scheint es, dass es noch einige Jahrzehnte mehr voller glorreicher Niederlagen und Märtyrertum geben wird. Vielleicht werden es sogar so viele sein, dass selbst diejenigen im Westen, die weiterhin etwas anderes erwarten, verstehen werden, was hier vor sich geht. |