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Merkwürdiges

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Tut uns leid, Welt

Die Welt empört sich über die "barbarischen Juden", aber vergisst den 7-jährigen israelischen Jungen, der von Hisbollah-Raketen getötet wurde

Der britische Kommentator sitzt mit Krawatte im Studio und verliest mit gut zurechtgemachter Schaudermiene die aufschreienden Schlagzeilen der Zeitungen. Ganz Europa, so scheint es, ist heute vereint in der Meinung, dass wir alle – alle Israelis – schuldig sind für das, was als "zweites Massaker von Qana" beschrieben wird.

Ministerpräsident Ehud Olmert und Generalstabschef Dan Halutz haben sich entschuldigt. Ebenso der Verteidigungsminister. Und das sogar, bevor eine Untersuchung durchgeführt wird, bevor die ganze Wahrheit ans Licht kommt. So sind wir eben.

Es steht mir nicht zu, mich ihnen an die Seite zu stellen. Aber, wenn Sie gestatten, möchte ich gerne ein paar eigene Entschuldigungen vorbringen, einen Tag nach der Bombardierung.

Tut uns leid, Welt. Tut uns leid, dass wir wieder böse waren und barbarisch und zerschlagend. Tut uns leid, dass wir eure wilden antisemitischen Fantasien haben wahr werden lassen, und ihr uns als Stachel im Fleisch des Nahen Ostens, um nicht zu sagen der gesamten Welt, ansehen könnt. Und das alles, damit ihr nächstes Mal, wenn es einen blutigen Terroranschlag in Spanien, England oder irgendwo anders gibt, selbstgerecht seufzen und die Motive "verstehen" könnt, denn schliesslich sind ja die Israelis eh schuld an allem. Es sind nicht wir, werdet ihr mit Frohlocken sagen, sie sind es. Sie waren diejenigen, die eigentlich die Amerikaner in den Irak schickten, oder? Sie haben so eine Gruppe, die "Weisen von Zion", die die Welt regiert. Das haben wir irgendwo gelesen.

Gibson sprach aus, was alle denken

Tut uns leid, Mel Gibson. Tut uns leid, dass wir uns über dich aufgeregt haben, weil du gestern einem Polizisten in Los Angeles gesagt hast, dass diese verdammten Juden verantwortlich sind für all die Kriege in der Welt, und dann den Polizisten ärgerlich gefragt hast, ob er auch jüdisch sei.
Schliesslich, Mel, hast du ja mit betrunkener Stimme und mit schwerem australischem Akzent zum Ausdruck gebracht, was die Mehrheit der westlichen Welt zurzeit denkt. Diese verfluchten Juden, dreckige Juden, verdammte Jidden. In einer Sekunde verkürzte sich der Abstand zwischen einem führenden Hollywood-Schauspieler und dem iranischen Präsidenten Ahmadinejad auf null.

Zum Glück hat Gibsons Landsmann, Premierminister John Howard, die Würde des Landes gerettet, indem er zu sagen wagte, dass die Hisbollah keine Befreiungsorganisation, sondern eine Terrororganisation ist – woraufhin er von Demonstranten angegriffen wurde. Es gibt hier und dort ein paar Lichtstrahlen, trotz allem. Und sie alle werden wir uns erinnern.

Tut uns leid, Ephraim Kishon. Tut uns leid für all die Jahre, die du von denjenigen, die sich selbst als literarisch-kulturelles Establishment des Landes verstehen, als "verrückter Rechter" boykottiert wurdest für die Perlen, die du schriebst und deren Wahrheitsgehalt wir erst heute langsam begreifen – wie der Essay darüber, wie die Welt Israel in der Rolle des "Juden" liebt, des geschlagenen und erniedrigten, a la Tewje, der Milchmann aus "Anatevka".

Die Welt liebt es wirklich, uns so zu sehen, verspottet und verachtet. Den neuen Juden mag die Welt überhaupt nicht, den mit den Panzern. Das ist ein gefährlicher Jude. Er hat Macht und tut, was er will. Im alten osteuropäischen Schtettl gab es keine Panzer. Dort, unter der Herrschaft des polnischen Gutsherren, wussten wir, wo unser Platz war. Du hattest ja so recht, Ephraim. Tut uns leid.

Wir heulen nicht rum

Und: es tut uns leid, Omer Pesachov. Tut uns leid, teures Kind, du wirst für immer sieben Jahre alt bleiben. An den kleinen Leichnam, der in den Armen seiner Grossmutter Yehudit im Moschav Meron zurückblieb, wird sich niemand auf der Welt erinnern. Und darüber berichtet hat eigentlich auch fast niemand.

Tut uns leid, Omer, tut uns leid, dass wir nicht alle Nachrichtenagenturen und Auslandskorrespondenten und Al-Jazeera anschleppten und uns an den UN-Sicherheitsrat wandten und rund um die Uhr Protestaktionen organisierten und aus voller Kehle schrien – in dem Moment, als diese verfluchte Rakete auf euer Haus fiel und dich und deine Grossmutter tötete.
Wir haben all das nicht getan, weil wir stolz auf uns und unsere Stärke sind. Wir rennen nicht gleich zur UN und zu den Medien und jammern. Wir beissen uns auf die Zunge und machen weiter, weil wir keine andere Wahl haben.

Also, tut uns leid, Omer, weil wir eigentlich nur dich um Verzeihung bitten müssen. Und erst dann die Kinder von Qana.

(Guy Benyovits - Yedioth Ahronoth, 31.07.06)

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