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Während der Westen um Syrien buhlt …

Von Avi Issacharoff

Syriens Verhalten in den vergangenen Wochen hat etwas Provokantes. Verglichen mit dem Iran sind die Botschaften aus Damaskus immer noch gemässigt. Aber die Syrer scheinen doch angetan zu sein von der iranischen Strategie, den Westen zu ködern.

Just da die Vereinigten Staaten Wohlwollen erwerben wollen durch die Rückkehr eines Botschafters, Robert Ford, nach Damaskus; und just nachdem US-Aussenministerin Hillary Clinton Syrien um die Eindämmung des Waffenschmuggels an die Hisbollah gebeten hat, antwortet Syrien mit der Versammlung einer 'Achse des Bösen' im Präsidentenplast in Damaskus.

Mahmoud Ahmadinejad, der iranische Präsident, Hassan Nasrallah, der Generalsekretär der Hisbollah, und Khaled Mashal, der Politbürochef der Hamas, waren die Stargäste des Treffens von vergangener Woche. Die Botschaft war klar. Bemühungen der Amerikaner und Europäer, sich bei Damaskus einzuschmeicheln, sind gut und recht; aber in syrischen Augen liegt die wirkliche strategische Partnerschaft weiterhin im Osten. Um die Festigkeit der Beziehungen zwischen sich zu unterstreichen haben Iran und Syrien auf den Gipfel bekannt gegeben, dass ihre Staatsbürger nicht länger Visa benötigen, um einander zu besuchen.

Und was die Intimität mit der Hisbolah angeht, treibt es der syrische Präsident Bashar Assad noch weiter als sein Vater. Hafez Assad blieb immer vorsichtig gegenüber der libanesischen Gruppe und sandte in den 1990ern selbst Truppen in den Libanon, um sie zu bekämpfen. Bashar hingegen hat die Hisbollah mit tödlicheren Waffen beliefert, als sie je in der Vergangenheit hatte - Waffen, die die gesamte Region in Brand setzen könnten.

Es stimmt, dass die Avancen des Westens Syrien davon abhalten könnten, sich vollends dem Iran hinzugeben. Und Syrien davon zu überzeugen, mit Israel zu verhandeln, könnte die Achse mit Iran sogar erheblich schwächen und die Bedrohung eines regionalen Krieges neutralisieren. Aber mit dem Damaskus-Gipfel signalisiert Assad sein Unbehagen ob der amerikanischen und französischen Umwerbungsversuche und darüber hinaus, dass er kein Interesse an einer Wiederaufnahme von Gesprächen mit Israel hat. Ahmadinejad war schon früher in Damaskus gewesen, und Bashar hat Teheran besucht. Aber die diesmalige Anwesenheit von Hamas und Hisbollah deutet mehr an als die übliche Abschreckungsshow in Richtung Israels und des Westens.

Amerika scheint das zu verstehen: In den letzten 24 Stunden hat es Berichte gegeben, wonach Washington sowohl Israel als auch Syrien zur Beilegung der Spannungen zwischen ihnen gedrängt und auch den Druck auf Syrien wegen des Transfers sensibler Waffen an die Hisbollah erhöht hat.

Am Samstag, zwei Tage nach dem Damaskus-Gipfel, begann im Iran eine Konferenz zur "islamischen und nationalen Solidarität mit dem palästinensischen Volk". All die zuversichtlichen Prognosen hinsichtlich des 'Niedergangs des zionistischen Gebildes', die in Damaskus dargelegt worden waren, wurden wiederholt, grösstenteils von denselben Figuren (ausser Nasrallah). Mashal, ein Ehrengast, brandmarkte Israel vom Podium aus.

Während die Rhetorik nicht neu ist, beunruhigt doch die wachsende Loyalität der Hamas gegenüber dem Iran. Bis noch vor wenigen Jahren, vor der Ermordung Sheikh Ahmed Yassins, standen die Palästinenser den Iranern alles in allem misstrauisch gegenüber, und die Gruppe versuchte, ihre Verbindungen mit Teheran unauffällig zu halten.

Aber die Macht innerhalb der Hamas hat sich vom Westjordanland und vom Gaza-Streifen hin zur politischen Führung der Organisation in Damaskus verlagert. Der nun dominante syrische Zweig hat sich schrittweise näher auf den Iran zubewegt, und die Politik der Hamas hat sich dementsprechend verhärtet. Ihre Führer, vor allem in Damaskus, legen keinerlei Anzeichen einer Aufweichung ihrer Haltung an den Tag und haben Versöhnungsversuche mit der Fatah wieder und wieder hintertrieben. Die Beziehungen zwischen Mashal und Gaza sind zunehmend fiebrig, bis hin zu dem Punkt, dass einer der Anführer der Gruppe in Gaza, Mahmoud Zahar, vergangene Woche aus einem Team ausschied, das über die Freilassung des entführten israelischen Soldaten Gilad Shalit verhandelt.

Zahars Abgang ist beispiellos, und man kann nur darüber staunen, wie tief die Hamas-Elite gespalten ist - und weit die moderate Fraktion in Gaza zur Seite gedrängt wurde, um die Kontrolle in die Hände Ahmadinejads zu legen.

(Ha'aretz, 01.03.10)

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