Merkwürdiges |
Zurück zur zionistischen Lehre Von Yair Sheleg
Es scheint so, dass viele von ihnen nur allzu gerne die Arbeit Hitlers fortsetzen würden. Dies ist keine Paranoia. Schliesslich ist einer der Ehrengäste der Konferenz der iranische Präsident, Mahmoud Ahmadinejad, der wiederholt über sein Streben nach der Vernichtung Israels gesprochen hat. Auch der Boykott des Kongresses ist nicht die Hauptsache zu einer Zeit, da auch die Vereinigten Staaten, die Führungsmacht der freien Welt, in einen "Dialog" mit diesem von Vernichtungsabsichten beseelten Führer treten will. So kehrt der Westen im selben Jahrzehnt, in dem die internationale Beschäftigung mit der Shoah und der Erinnerung an sie einen Höhepunkt erreicht hat, zu der Beschwichtigungspolitik der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zurück. Die Stimme ist die Stimme Churchills, und die Hände sind die Hände Chamberlains. Aus jüdischer Sicht legen diese Umstände eine Rückkehr zu der zionistischen Lehre aus der Shoah nahe; jener Lehre, die nach ihr selbstverständlich war und sich über die Jahre abgenutzt hat. Die Lehre hat sich auch abgenutzt, weil sie in jenen frühen Tagen Überheblichkeit gegenüber den Überlebenden beinhaltete. Aber der Grossteil des Verschleisses hat sich in den vergangenen Jahrzehnte im intellektuellen Diskurs über die Shoah ereignet: Der postzionistische Diskurs hat versucht, diejenigen verächtlich zu machen, die im Namen der zionistischen Lehre nach Auschwitz reisen, insbesondere jene, die sich in israelische Flaggen wie in einen Tallit einwickeln. Derselbe Diskurs meint, dass die zionistische Schlussfolgerung insofern gescheitert ist, als es heute keinen gefährlicheren Ort für Juden gibt als Israel. Die zionistische Lehre aus der Shoah sollte so klar und selbstverständlich sein, dass es fast peinlich ist, sie wieder und wieder wiederholen zu müssen. Die Shoah wurde auch dadurch verursacht, dass die Juden als fremde Minderheit lebten, und sie wurde dadurch ermöglicht, dass die Juden eine wehrlose Minderheit waren. Israel ist heute ein gefährlicher Ort für Juden, da ein beträchtlicher Teil der Menschheit nicht bereit ist, Juden als Minderheit in einem fremden Staat zu akzeptieren und nicht als in einem unabhängigen Staat Lebende. Von den beiden Möglichkeiten ist diejenige vorzuziehen, die die Pflege der einzigartigen Identität und das Standhalten gegenüber dem Feind ermöglicht. Wenn das jüdische Individuum sich nur um seine eigene kleine Welt kümmert, ist es angenehmer in New York zu leben; das jüdische Volk braucht aber einen eigenen Staat. Im Judenstaat gibt es offensichtlich keinen Bedarf an der Wiederholung dieser Einsichten. Nicht von ungefähr wird der postzionistische Diskurs von der breiten Öffentlichkeit nicht aufgenommen, und er erweckt grösstenteils Verachtung und Abscheu an den Universitäten und bei Intellektuellen insgesamt. Dieser Diskurs bedient sich des Leids der Überlebenden an der Arroganz ihnen gegenüber, aber es ist zu bezweifeln, dass es mehr als einige vereinzelte Überlebende gibt, die sich mit seinen Schlussfolgerungen identifizieren. Die Überlebenden der Shoah verstehen die Bedeutung der zionistischen Lehre mehr als alle anderen. Die zionistische Lehre steht auch nicht im Widerspruch mit der universellen Lektion der Shoah, sondern ergänzt und balanciert sie: Man muss das Bild des Menschen schützen, aber ein untrennbarer Teil dieses Schutzes ist der kompromisslose Krieg gegen den Feind, der sich gegen einen erhebt. Daher liegt die Gefahr des postzionistischen Diskurses nicht in Israel, sondern im Ausland. Dort interessieren sich nicht die Massen für diese Fragen, sondern nur die Eliten; und die Eliten verfolgen aufmerksam den Diskurs der israelischen Intellektuellen. Ihnen gegenüber ist es wichtig, auf intellektuellem Niveau, die zionistische Lehre zu wiederholen: Die Souveränität, die als nationales Grundrecht auch von Völkern gilt, die in ihrer Vergangenheit nicht besonders gelitten haben, ist ganz gewiss ein Grundrecht des jüdischen Volkes. (Ha'aretz, 21.04.09) |