| Nachrichten vom 25. - 31. Januar 2009 | ||
Basketball: Maccabi Tel Aviv schlägt Alba Berlin
Maccabis herausragende Spieler waren dabei D'or Fisher und Lior Eliyahu, die allein 22 bzw. 21 Punkte machten. Der jüngste Neuzugang, Dee Brown, fügte sich gut in die Mannschaft ein und erzielte elf Punkte. Das Tel Aviver Team um Trainer Pini Gershon hätte sich keinen besseren Start für die Top-16-Runde der Euroleague wünschen können. "Man muss auch leichte Spiele zu gewinnen wissen", sagte Gershon nach dem Match. "Wir hatten heute eine gute Verteidigung und erzielten die Punkte, die wir erzielen mussten. Es war unser erstes Spiel in dieser Runde, und wir mussten unser Bestes geben. Aber es gibt immer noch Raum zur Verbesserung." (Ha'aretz, 30.01.09) Patriotismus im Aufschwung
Der alljährlich durchgeführten Umfrage zufolge ist der Patriotismus der israelischen Juden gegenüber dem Vorjahr 2008 klar angewachsen und hat beinahe den Grad erreicht, der vor dem zweiten Libanonkrieg 2006 bestanden hat. Gegenüber 61% im Jahr 2009 bezeichnen sich nun 71% der Gesamtbevölkerung als Patrioten. 72% der jüdischen Befragten sind der Ansicht, dass Israel "besser als die meisten anderen Länder" ist; im Jahr zuvor waren es lediglich 61%. Auch hinsichtlich der nationalen Symbole ist dieser Trend zu erkennen. 88% finden es wichtig, am Unabhängigkeitstag die Flagge zu hissen, und ganze 95% weisen der Schweigeminute am Gedenktag für die gefallenen Soldaten grosse Wichtigkeit zu. (Yedioth Ahronoth, 29.01.09) Livni trifft US-Sondergesandten Mitchell
Livni betonte dabei u. a.: "Israel strebt nach einem Friedensabkommen, das seine sicherheitspolitischen und nationalen Interessen repräsentiert. Nur solch ein Abkommen wird in Israel akzeptiert werden. Damit die Friedensverhandlungen zum Erfolg führen, muss Israel seinen Krieg gegen den Terror fortsetzen, wo immer er existiert und gegen uns gerichtet ist. Nur eine duale Strategie zur Förderung des Friedensprozesses an der Seite eines Krieges gegen den Terror wird Erfolg haben. Israel glaubt an die Vision der zwei Nationalstaaten, und palästinensische Flüchtlinge werden nicht in den Staat Israel kommen. Israel und die Vereinigten Staaten können und müssen ihre gemeinsamen Interessen in gemeinsame Handlungspläne überführen, die die Gemässigten in der Region stärken und den extremistischen Elementen in der Region - wie dem Iran und der Hamas - einen Schlag versetzen." (MFA, 28.01.09) Israels Ministerpräsident Ehud Olmert bemerkte bei seinem gestrigen Treffen mit Mitchell: "Israel wird auf jeden Verstoss [gegen die Waffenruhe] von Seiten der Hamas reagieren. Es ist wichtig, dass die Kraft der Hamas infolge der Militäroperation in Gaza schwindet und die Palästinensische Autonomiebehörde im Gaza-Streifen Fuss fassen kann." (Ha'aretz, 29.01.09) Israelische Luftwaffe bombardiert Schmuggeltunnel
Die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (ZAHAL) betrachten die Hamas als verantwortlich für die Wahrung des Friedens in den südisraelischen Gemeinden und wird hart auf jeden Versuch seiner Unterminierung antworten. (ZAHAL, 28.01.09) Israels Oberrabbinat unterbricht Beziehungen mit Vatikan
Um ein Jahrzehnte altes Zerwürfnis zwischen der katholischen Kirche und einer ultra-konservativen Abspaltung beizulegen, hatte Papst Benedikt XVI in der vergangenen Woche die Exkommunikation von vier Bischöfen aufgehoben, die der Priesterbruderschaft St. Pius X angehören. Die Gruppierung ist gegen die Änderungen innerhalb der katholischen Doktrin, die in den 1960er Jahren vom zweiten Vatikanischen Konzil beschlossen wurden. Einer der Bischöfe ist der Brite Richard Williamson, gegen den in Deutschland wegen Holocaust-Leugnung ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden ist. Erst kürzlich hatte er im schwedischen Fernsehen die Ermordung von sechs Millionen Juden durch die Nazis abgestritten. "Ich denke, dass 200 000 bis 300 000 Juden in nationalsozialistischen Konzentrationslagern starben, aber keiner von ihnen in Gaskammern", sagte der Bischof. In einem Brief an Kardinal Walter Casper, den Vorsitzenden der Kommission des Heiligen Stuhls für die religiösen Beziehungen mit den Juden, schrieb der Generaldirektor des israelischen Oberrabbinats, dass es schwierig sein werde, ohne einen Widerruf und eine öffentliche Entschuldigung den Dialog fortzuführen. (The Jerusalem Post, 27.01.09) Bank of Israel-Chef optimistisch
"Wir haben einen Fluss von Dollars und Euros, weil mir verkaufen als kaufen, was uns auf der finanziellen Seite die Stabilität verleiht, die anderen fehlt", versichert Fisher und nennt als Beispiele Russland und Südkorea. Vor allem ist es die niedrige Inflationsrate, die den Banker mit Zuversicht erfüllt; sie lag zwischen April 2005 und dem Sommer 2008 noch unterhalb der Zielmarke von 3%. "Dies war unsere grösste Errungenschaft. Die Leute wissen, dass die Inflation unter Kontrolle ist." (Globes, 27.01.09) Israelischer Soldat bei Sprengstoffanschlag getötet
Bisher hat noch niemand die Verantwortung für den Angriff übernommen. Ein Hamas-Führer namens Mushir al-Masri teilte jedoch mit, dass seine Organisation keinem vollen Waffenstillstand zugestimmt habe, sondern nur einer Kampfpause. "Die Zionisten sind verantwortlich für jede Aggression", sagte er. Israels Verteidigungsminister Ehud Barak bezeichnete den Vorfall als "ernstzunehmend" und "inakzeptabel"; Israel werde reagieren. Aussenministerin Tzipi Livni rief zu einer umgehenden Reaktion auf. (Ha'aretz, 27.01.09) Holocaust-Überlebende fürchten die Wirtschaftskrise
Wie Guy Afari, der geschäftsführende Direktor der Stiftung für das Wohlergehen der Holocaust-Überlebenden in Israel, berichtet, haben Sozialarbeiter in jüngster Zeit ein neues Phänomen beobachtet: Die Überlebenden horten aus existentieller Angst wegen der Wirtschaftskrise und ihren drohenden Auswirkungen in Israel Lebensmittel in ihren Wohnungen. "Die ökonomische Krise hat auch die Holocaust-Überlebenden, für die sowieso jeder Tag ein Kampf ums Überleben darstellt, ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen", so Afari. "Viele von ihnen stützen sich auf die Hilfe von Organisationen, die nun am Rande des Kollapses stehen." Auch die Unterstützung durch Familienangehörige ist in den Augen vieler gefährdet. Afari weist auch auf die traumatisierenden Erfahrungen der Raketenalarme und -angriffe hin, denen jüngst viele in Israel ausgesetzt gewesen sind. Pircha Wiesel, eine 82jährige Holocaust-Überlebende aus Ashkelon, erzählt: "Es hat mich an den Krieg erinnert, den ich erlebt habe. Die ganze Zeit hindurch habe ich mich hilflos gefühlt. Ich bin sehr krank und konnte nicht in den Schutzraum rennen." (Yedioth Ahronoth, 27.01.09) Antike Marmorbüste in Jerusalem gefunden
Wie die Ausgrabungsleiter Dr. Doron Ben Ami und Jana Chechnowitz mitteilen zeugt die Büste mit ihrer Genauigkeit bis ins kleinste Detail von einer aussergewöhnlichen Kunstfertigkeit. Der kurz geschorene und gekräuselte Bart des Mannes sowie die leichte Rechtsneigung des Kopfes verweisen auf einen klaren griechischen Einfluss, der wiederum eine Datierung auf die Zeit des Kaisers Hadrian oder kurz danach nahe legt (2. bis 3. Jh. n. Chr.). Es handelt sich hier um eine Blütezeit der römischen Bildhauerei. Die gelbliche Farbe des Marmors lässt eine kleinasiatische Herkunft vermuten. "Nach dem, was uns bekannt ist, ist bei Ausgrabungen in Israel bis heute noch kein Fund aus Marmor (oder irgend einem anderen Stein) gemacht worden, der sich mit dem nun entdeckten Bildnis vergleichen liesse, und so scheint es sich um einen einzigartigen Fund zu handeln", meinen Ben Ami und Chechnowitz. (Ha'aretz, 26.01.09) Mor: Gaza ist nicht Belfast
"Obgleich sich in Nordirland Katholiken und Protestanten gegenüberstanden, handelte es sich dort doch bekanntlich nicht primär um einen religiösen, sondern um einen politischen Konflikt. Anders im Gaza-Streifen, wo die Hamas mit iranischer Unterstützung ein radikal-islamistisches Terrorregime installiert hat, das einem Todeskult frönt und sich um realpolitische Erwägungen nur wenig schert, wenn überhaupt. Folgerichtig wird sie auch von der EU als Terrororganisation eingestuft. Noch schwerer wiegt jedoch, dass sich weder Sinn Fein noch die IRA jemals auf die Vernichtung ihres Gegners eingeschworen haben. Eben dies ist aber bei der Hamas der Fall. Noch immer fühlt sie sich aktiv ihrer Gründungscharta vom August 1988 verpflichtet, in der sie explizit zur Vernichtung Israels aufruft: 'Israel existiert und wird weiter existieren, bis der Islam es ausgelöscht hat, so wie er schon andere Länder vorher ausgelöscht hat', heisst es dort gleich in der Präambel. Und weiter unten steht zu lesen: 'Das jüngste Gericht wird nicht kommen, solange die Muslime nicht die Juden bekämpfen und sie töten.' Solange die Hamas sich nicht von dieser Position entfernt - und die Zeichen dafür stehen schlecht -, ist mit ihr kein Staat zu machen (und auch kein Friedensprozess). Der frühere First Minister Nordirlands, Lord David Trimble, der für seine Verdienste um die Lösung des Nordirlandkonflikts den Friedensnobelpreis erhalten hat, bemerkte vor eineinhalb Jahren treffend: 'Wenn eine Lehre aus der Erfahrung in Nordirland gezogen werden kann, dann liegt sie darin, dass Vorbedingungen entscheidend dafür sind, ein Ende der Gewalt und ein Abkommen herbeizuführen. Zu viel Grosszügigkeit gegenüber extremistischen Gruppen ist so, wie wenn man einem verwöhnten Kind Süssigkeiten gibt, damit es sein Verhalten ändert - es führt normalerweise zu noch schlimmerem Verhalten' <The Guardian, 25.10.07>. Der vollständige Text findet sich unter dem folgenden Link: http://www.tagesspiegel.de/meinung/leserbriefe/Leserbriefe;art144,2714450 Wie er nun in einem Interview mit der Lausitzer Rundschau noch einmal betont hat, hält Mor generell an seiner Befürwortung der Zwei-Staaten-Lösung fest: "Es gibt keine bessere Alternative. Kein binationaler Staat, kein islamischer Staat, sondern zwei Staaten - für die Israelis und für die Palästinenser." Was die europäische Berichterstattung zur Lage im Nahen Osten angeht, bemängelt der Diplomat: "Es fehlt oftmals das Verständnis dafür, warum wir so agieren. Wenn wir auf die Angriffe reagieren, machen wir das, weil wir das machen müssen. Man muss in Israel gewesen sein, um das zu verstehen. Wenn ich im Bus sitze, kann ich nicht sofort meine Zeitung lesen, sondern muss mich umschauen, ob kein Terrorist neben mir sitzt. Was sollen wir tun? Einfach nicht reagieren? Man darf nicht Ursache und Wirkung verwechseln. Stellen Sie sich vor, jeden Tag würden zahlreiche Raketen auf Deutschland abgefeuert. Was hätte die deutsche Regierung gemacht? Ich bin fest davon überzeugt, dass sie reagieren würde." Das vollständige Interview gibt es unter dem folgenden Link: http://www.lr-online.de/nachrichten/LR-Themen;art1065,2369219 Eine eingehende Lageanalyse zu Ursache, Verlauf und Folgen der jüngsten israelischen Militäroperation im Gaza-Streifen hat Ilan Mor im Rahmen eines Interviews mit TV Berlin dargelegt. Um der komplexen Situation vor Ort begegnen zu können, mahnt er Geduld und Entschlossenheit an. Teil 1: http://www.kewego.de/video/iLyROoafJQAY.html (Botschaft des Staates Israel, 26.01.09) |
Iran ehrt den Kindermörder Kuntar
Kuntar war im letzten Sommer von Israel als Teil eines Gefangentausches mit der Hisbollah nach 30 Jahren Haft freigelassen worden. Er hatte in Nahariya eine israelische Familie überfallen, den Vater und die kleine Tochter entführt und dann auf bestialische Weise ermordet. Bei der Ehrenzeremonie in Teheran sagte Kuntar gestern: "Wir müssen der amerikanischen Besatzung Widerstand leisten, weil die Amerikaner die Diktatur unterstützen, und in der Region müssen wir dem zionistischen Regime widerstehen und es zerstören." (Yedioth Ahronoth, 30.01.09) Israelische Armee reagiert auf Raketenangriff
Als einzige Autorität im Gaza-Streifen trägt die Hamas die volle Verantwortung für jegliche Terroranschläge, die aus ihrem Herrschaftsbereich hervorgehen. Die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (ZAHAL) werden auf alle Terrorangriffe gemäss den Entscheidungen der israelischen Regierung antworten. (ZAHAL, 29.01.09) Auch heute Morgen haben palästinensische Terroristen aus dem Gaza-Streifen wieder eine Rakete auf Südisrael abgefeuert. Sie landete unweit der Kleinstadt Sderot und richtete weder Personen- noch Sachschaden an. (Yedioth Ahronoth, 29.01.09) Haifa soll schöner werden
Die britische Mandatsverwaltung hatte Haifa ein zwiespältiges Erbe hinterlassen. Einerseits wurde die Stellung der Stadt durch den Bau des grössten Hafens im Lande und eines Industriegebiets, die vielen Menschen Arbeit verschaffte, eindeutig aufgewertet. Andererseits wurden die Bürger durch die Verlegung der Eisenbahnschienen entlang der Küste vom Mittelmeer abgeschnitten. Ein Übriges tat der grosse Marinestützpunkt, der danach eingerichtet wurde. Dem Willen der Stadtverwaltung nach wird anstelle der Marine-Basis und des zivilen Hafens, die verlegt werden sollen, nun ein neues Stadtviertel mit Yachthafen, Cafés, Restaurants und Vergnügungsstätten entstehen. Auch über eine unterirdische Neuverlegung der Bahntrasse wird intensiv verhandelt. Nach Ansicht von Bürgermeister Yonah Yahav bedeutet das Projekt eine "Revolution im urbanen Leben Haifas" und wird die lokale Wirtschaft ankurbeln. (Botschaft des Staates Israel, 29.01.09) Neue Vorwürfe gegen UNRWA
Lindsays Bericht bemängelt ausserdem, dass die Arbeit der UNRWA sich seit Jahren zum Negativen entwickelt und gegenwärtig Dienstleistungen für Personen anbietet, die nicht wirklich bedürftig sind. "Es ist nicht zu rechtfertigen, dass Millionen von Dollar an humanitärer Hilfe an Stellen geht, die für die UNRWA-Dienste zahlen könnten." Er empfiehlt, dass die UNRWA ihre "einseitigen politischen Stellungnahmen" beenden und sich auf humanitäre Angelegenheiten beschränken solle. Vor allem müsse die Behörde dafür Sorge tragen, dass nicht weiterhin Terroristen und Kriminelle auf ihren Lohnlisten stehen. Lindsay richtet sich mit seinem Appell vor allem an die neue US-Regierung. Es könne nicht angehen, dass die USA der bei weitem grösste Geldgeber der UNRWA sei, solange diese auf weiten Strecken den Zielen der US-Aussenpolitik zuwider handle. (Yedioth Ahronoth, 28.01.09) Israels UN-Botschafterin zum Holocaustgedenktag
"Als lebende Relikte der Holocaust-Opfer müssen wir ihre Geschichten erzählen - Geschichte für Geschichte. Es ist das Mindeste, was wir für sie und so viele andere, deren Geschichten nie erzählt worden sind, tun können. Mein Grossvater Siegfried Mannheim war ein erfolgreicher Rechtsanwalt in Berlin und Autor einer Rechtskolumne in einer der grössten Zeitungen Berlins. Wie er waren auch seine beiden Söhne - mein Onkel Kurt, ein junger Richter, und mein Vater Bernhard, ein Medizinstudent - Deutsche und Juden, stolz sowohl auf ihr Land als auch auf ihr kulturelles Erbe. 1933 wurden ihre Träume zerschlagen, ihre Welt brach zusammen. Der Aufstieg Hitlers bedeutete, dass meinem Grossvater verboten wurde, als Anwalt zu praktizieren. Aus seinem Beruf verjagt flüchtete er gemeinsam mit seiner Familie aus seinem Heimatland Deutschland. Die Familie liess sich in Palästina/Eretz Israel nieder, damals unter britischem Mandat, und liess all ihr Hab und Gut zurück, um einen Neuanfang zu machen, auf welche Weise auch immer sie konnten. Der Richter wurde zum Bauern, der Medizinstudent zum Koch. Sie betrachteten sich damals als alles andere als glücklich. Aber wir wissen, was für ein Glück sie gehabt haben. Andere in meiner Familie - meine Grosseltern mütterlicherseits - flohen nicht. Mein Grossvater Shimon Peterseil war Rabbiner in Kiel, einer Stadt in Norddeutschland. Aufgrund seines Alters vermochte er Deutschland nicht zu verlassen - er war 70. Aber meine Grossmutter, Hadas, hatte die Weitsicht, all ihre Kinder zum Aufbau Eretz Israels zu schicken, während sie mit ihrem Ehemann zurückblieb. Viele Jahre wussten wir nicht, was mit ihnen geschah. Nach dem Krieg suchte meine Familie unablässig nach jedem Stück Information über meine Grosseltern. Ich erinnere mich, wie ich als Kind auf den Treppen unseres Hauses in Tel Aviv gesessen und auf die Ankunft meiner Grosseltern gewartet habe. Ich habe sie nie gesehen. Sehr viel später erführen wir, dass sie nach Theresienstadt und von dort nach Auschwitz deportiert worden waren, zu ihrem grauenvollen Ende.
60 Jahre später besuchte meine älteste Tochter von 17 Jahren Auschwitz. Sie reiste von Israel nach dort, wo meine Familie, ihre Familie, gemeinsam mit so vielen Millionen, ermordet worden sind. Sie sah die Hinrichtungsmauer, die Gaskammern und die Krematorien. Sie sah die Räume mit den Stapeln von verknäuelten Schuhen, Brillen, Haaren und Koffern. Sie erlebte den Horror und die Qual der Opfer - unsichtbar ihrem Auge, doch sichtbar ihrer Seele. Das Schicksal meiner Familie - wie das Schicksal von Millionen - bleibt eine schmerzliche Erinnerung des Völkermords gegen sie allein aufgrund dessen, was sie waren: Juden. Die jüdische Tragödie des Holocaust war einzigartig; um Elie Wiesel zu zitieren, "Nicht alle Opfer waren Juden, aber alle Juden waren Opfer". Allerdings hat der Holocaust eine weit reichende universale Bedeutung, und er erlegt uns allen eine Verantwortung auf. Wir haben die Verantwortung, keinen Volkermord an dem jüdischen Volk zuzulassen, an keinem Volk. Wir haben die Verantwortung, die Lehren aus dem Holocaust zu lernen und zu lehren, um dafür zu sorgen, dass er nie wieder passiert. Wir haben die Verantwortung, nicht zu schweigen. Denn zu schweigen und den Schrecken des Holocaust gegenüber indifferent zu bleiben, ist die grösste Sünde von allen, von der Leugnung abgesehen. Wir haben die Verantwortung, gegen die Kräfte des Antisemitismus vorzugehen, gegen religiösen Eifer und Rassismus in jeglicher Form. Wir haben die Verantwortung, jene zu verurteilen, die Kinder zum Morden und Töten im Namen Gottes erziehen. Wir haben die Verantwortung, jeglichen Mitgliedsstaat der Vereinten Nationen zu verurteilen, der zur Vernichtung eines anderen Mitgliedsstaates aufruft und sich für die Holocaust-Leugnung stark macht." Die vollständige Rede Shalevs gibt es unter dem folgenden Link: http://israel-un.mfa.gov.il/mfm/Data/153835.doc (UN-Vertretung des Staates Israel, 27.01.09) Avraham Ravitz gestorben
Rabbiner Ravitz wurde 1934 in Tel Aviv geboren und diente in der Miliz LECHI sowie den Israelischen Verteidigungsstreitkräften (ZAHAL). Später leitete er die berühmte Jerusalemer Yeshiva Or Sameach. Über 20 Jahre hinweg fungierte Ravitz in der Knesset als einer der herausragenden Wortführer des ultraorthodoxen Bevölkerungssektors. Unter anderem amtierte er als stellvertretender Knesset-Sprecher. Im November hatte Ravitz mitgeteilt, nicht wieder für einen Knesset-Sitz kandidieren zu wollen. An seiner Beerdigung, die heute in Jerusalem stattfand, nahmen u. a. Ministerpräsident Olmert, Knesset-Sprecherin Dalia Yitzik und Aussenministerin Livni teil. Präsident Shimon Peres würdigte den Verstorbenen in einem Beileidsschreiben als Brückenbauer zwischen der litauischen Orthodoxie und der israelischen Gesamtbevölkerung. (Ha'aretz, 26.01.09) Jerusalemer Astrophysiker entwickeln neue Theorie zur Entstehung von Galaxien
Die neue Theorie wurde von der kosmologischen Forschungsgruppe unter Prof. Avishai Dekel erarbeitet und in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Nature veröffentlicht. Auf Grundlage fortgeschrittener astronomischer Observationen und hochmoderner Computer-Simulationen kommt sie zu dem Schluss, dass die Galaxien sich primär als Ergebnis intensiver kosmischer Strömungen von Kaltgas (v.a. Wasserstoff) geformt haben und nicht, wie bisher angenommen worden ist, in erster Linie aufgrund von galaktischen Verschmelzungen. Die Forscher zeigen, dass diese Verschmelzungen nur geringen Einfluss auf die kosmologische Struktur des Universums, wie wir es kennen, hatten. Die Observationen wurden von Wissenschaftlern unter der Ägide von Prof. Reinhard Genzel vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik im bayerischen Garching durchgeführt, die mit den Forschern der Hebräischen Universität zusammenarbeiten. Die Galaxien sind die Bausteine des Universums. Jede von ihnen enthält etwa 100 Milliarden leuchtender Sterne - wie die Sonne -, die sich über etwa 50 000 Lichtjahre ausbreiten. Jede Galaxie ist in einen sphärischen Halo von dunkler Materie eingebettet, die zwar nicht gesehen, aber durch ihre massive Anziehungskraft ermittelt werden kann. Die exakte Natur dieser Materie ist noch immer unbekannt. Weitere Informationen: http://www.huji.ac.il/cgi-bin/dovrut/dovrut_search_eng.pl?mesge123262053505872560 (Botschaft des Staates Israel, 26.01.09) Olmert: Man macht den Angegriffenen zum Angreifer
Olmert warnte die Welt in diesem Zusammenhang vor einem "internationalen Slalom zur Verwandlung der Angreifer in Angegriffene". Seit Jahren sei es die Politik der Hamas und anderer Terrororganisationen gewesen, "bis zum letzten Blutstropfen der Bewohner Gazas zu kämpfen und sie zu schädigen". Nun versuche man, die Realität auf den Kopf zu stellen und die Verantwortung statt denen, die seit Jahren Terror betreiben, den Soldaten der israelischen Armee anzuhängen. Die israelische Regierung verabschiedete eine Resolution, Soldaten und Kommandanten im Falle einer Klagewelle volle rechtliche und moralische Rückendeckung zu geben. "Die Soldaten und Kommandanten der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (ZAHAL) haben moralischen Standards gemäss gehandelt und im vollen Glauben, dass ihre Sache gerecht ist. ZAHAL ist eine moralische und ethische Armee, und ich kenne keine andere Armee, die so hohe Standards an sich anlegt", schrieb Verteidigungsminister Ehud Barak in der Resolution. "Es gibt keinen Anlass zur Selbstgeisselung." (Yedioth Ahronoth, 25.01.09) Israels Aussenministerin Tzipi Livni hat sich heute mit dem US-Botschafter Jim Cunningham getroffen, um den Besuch des neuen US-Sonderbeauftragten für den Nahen Osten, George Mitchell, vorzubereiten. Sie bezeichnete die anstehende Visite als eine Gelegenheit für Israel, seine Positionen mit der neuen US-Administration zu koordinieren und über gemeinsame Herausforderungen zu beraten. (MFA, 26.01.09) |