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Nachrichten-Extra 26. November - 2. Dezember 2006

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Rede von MP Ehud Olmert am Grab von Paula und David Ben Gurion in Sde Boker (27.11.)

Ministerpräsident Ehud OlmertSehr verehrter Herr Staatspräsident,
verehrte Knesset-Vorsitzende, Frau Daliah Itzik,
verehrte Minister,
verehrte Knessetabgeordnete,
verehrte Familie Ben Gurion,
verehrtes Publikum,

vor drei Jahren sprach ich hier als Stellvertreter des damaligen Ministerpräsidenten Ariel Sharon und zitierte aus der Rede von David Ben Gurion aus dem Jahre 1949 vor der Knesset hinsichtlich der Waffenstillstandsabkommen, in der er sagte:

„… Als wir vor der Wahl standen zwischen der Ganzheit des Landes (Erez Israel) ohne einen jüdischen Staat, oder einem jüdischen Staat ohne die Ganzheit des Landes, haben wir den jüdischen Staat ohne die Ganzheit des Landes gewählt.“

Diese historische Wahl, die Ben Gurion am Ende des Unabhängigkeitskrieges getroffen hat, war schmerzvoll, doch auch mutig; herzzerreissend, doch auch ernüchternd.
Teure und ersehnte Teile der Heimat, die Wiege unserer Geschichte, sind hinter der Grenze zurückgeblieben, doch innerhalb des Staates Israel war eine starke jüdische Mehrheit sichergestellt.

Die Zeit verging, die Feindschaft und der arabische Terror haben weitere Kriege hervorgebracht, und vor ca. 40 Jahren wurde Israel wieder vor eine schwere Wahl gestellt: viele und gute Menschen wählten das Ideal der Ganzheit des Landes.
David Ben Gurion, damals bereits im Ruhestand, entschied, dass Israel für einen echten Frieden auf die meisten seiner Gebiete, die es im Sechs-Tage-Krieg erobert hatte, verzichten muss. Seitdem ist viel geschehen, Fakten wurden geschaffen, Abkommen wurden unterzeichnet, die internationale und regionale Arena haben sich nicht wiedererkennbar verändert.

Der blutige Konflikt mit den Palästinensern ist noch nicht vorüber. Das Grundverständnis Ben Gurions ist noch immer gültig und ist die Richtlinie, mit den notwendig gewordenen Anpassungen, für die Position der israelischen Regierungen und auch für unsere gegenwärtige Friedenspolitik.

Ben Gurion hat schon in der Geburtsstunde des Staates Israel den arabischen Völkern die Hand zum Frieden gereicht. Die Hand wurde zwar zurückgewiesen, bleibt jedoch noch immer ausgestreckt.
Ich reiche unseren palästinensischen Nachbarn meine Hand zum Frieden, in der Hoffnung, dass sie nicht zurückgewiesen wird.

Über die Verpflichtung einer jeden Regierung in Israel, Frieden anzustreben, benutzte Ben Gurion Worte, mit denen ich mich mit ganzem Herzen identifiziere:

„Ich würde das für eine schwere Sünde halten, nicht nur für unsere Generation, sondern auch für die kommenden Generationen, wenn wir unsererseits nicht alles in unserer Macht Stehende getan hätten, um eine gegenseitige Verständigung mit unseren arabischen Nachbarn zu erzielen, und wenn zukünftige Generationen Grund hätten, die israelische Regierung zu beschuldigen, eine Chance für den Frieden verpasst zu haben …“.
Dieses sind keine einfachen Zeiten für den Staat und das Volk Israel. Gerade in diesen Zeiten ist es nur natürlich, an diesen Ort zu kommen, die Grabstätte des Vaters unserer wieder auferstandenen Nation, um daraus Inspiration zu gewinnen.

Wenn ich heute David Ben Gurion um Rat bitten könnte, so glaube ich, dass er mir raten würde, die Worte zu sagen, die ich beabsichtige, heute unseren palästinensischen Nachbarn mitzuteilen.

Ihr, das palästinensische Volk, im Süden und im Osten, im Gazastreifen, in Judäa und Samaria, befindet euch in diesen Tagen an der Schwelle zu einer historischen Entscheidung.

Der Terror, die Gewalt, die nicht endenden Morde und Angriffe gegen Zivilisten des Staates Israel könnten uns einer neuen und schmerzhaften Welle schrecklicher Gewalt näher bringen.
Der kompromisslose Extremismus eurer Terrororganisationen: die Hamas, der Jihad, die Al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden und weitere Organisationen, haben euch dem Ziel, von dem ich überzeugt bin, dass es viele von euch teilen, nicht näher gebracht: einen palästinensischen Staat zu errichten, der euch eine Zukunft und Wohlstand bietet und der in guter Nachbarschaft an der Seite des Staates Israel existieren wird.

Am Rande der Entscheidungsfindung, welche uns in einen eskalierenden Konflikt stürzen könnte, komme ich heute hierher, in die Nähe des Grabes von David Ben Gurion, um euch einen anderen Pfad vorzuschlagen, einen Pfad, der eine Chance für eine andere Zukunft eröffnet, für euch und für uns.

Wir haben damit vorgestern begonnen. Wir haben diesen Weg betreten und ich hoffe, dass er uns vorwärts zu jenem Ziel bringen wird, welches wir alle anstreben: Frieden, Ruhe und gegenseitiges Vertrauen. Wir sind bereit und willig, diesen Weg zu beschreiten und auszuharren, bis wir die ersehnte Lösung erreicht haben.

Wenn eine neue palästinensische Regierung errichtet wird, eine Regierung, die den Prinzipien des Quartetts verpflichtet sein wird, die Roadmap zu implementieren und Gilad Shalit frei zu lassen, werde ich Abu-Mazen sofort einladen, um sich mit mir zu treffen, um einen wirklichen, offenen, aufrichtigen und ernsthaften Dialog mit uns zu führen.

Im Rahmen dieses Dialoges und in Übereinstimmung mit der Roadmap werdet ihr in der Lage sein, einen unabhängigen und entwicklungsfähigen palästinensischen Staat mit einem zusammenhängenden Territorium in Judäa und Samaria zu gründen, einen Staat mit voller Souveränität und festgelegten Grenzen.

In diesem Rahmen werden auch die Grenzen des Staates Israel festgelegt werden, in Übereinstimmung mit dem Brief von Präsident Bush vom 14. April 2004 an Ministerpräsident Ariel Sharon.

Diese Grenzen werden sich von den Gebieten, die derzeit unter israelischer Kontrolle sind, unterscheiden.

Ich verstehe die hohe Bedeutung, welche die palästinensische Gesellschaft der Frage der Gefangenen beimisst. Ich erkläre hiermit, dass, wenn Gilad Shalit freigelassen wird und sicher und wohlbehalten zu seiner Familie zurückkehrt, die Regierung des Staates Israel gewillt ist, eine grössere Anzahl von palästinensischen Gefangenen freizulassen, inklusive solcher, die eine lange Haftstrafe verbüssen, um das Vertrauen zwischen uns zu vergrössern und zu beweisen, dass unsere Hand für einen wirklichen und wahrhaften Frieden ausgestreckt ist.

Ich habe dies vor der Entführung Gilad Shalits gesagt und ich habe meine Position dahingehend nicht geändert.

Ich weiss, dass viele palästinensische Familien den Tag herbei sehnen, an dem ihre Lieben nach Hause zurückkehren. Dieser Tag könnte bald kommen.

Ich glaube, dass viele von euch des furchtbaren Preises überdrüssig sind, den ihr als Resultat für den in euren Strassen vorherrschenden Terror bezahlt.

Ich glaube, dass viele von euch sich danach sehnen, ein neues Kapitel in der blutigen Geschichte unserer Beziehungen zu öffnen, was wir gemeinsam tun können.

Das Ende von Terrorismus und Gewalt wird uns in die Lage versetzen, euch eine Reihe von Schritten anzubieten, die in gemeinsamer Koordination eine Verbesserung der Lebensqualität der palästinensischen Bevölkerung ermöglichen sollen, welche ernsthaft, als Resultat der Notwendigkeit, Verteidigungsmassnahmen gegen ihre terroristischen Aktivitäten zu unternehmen, beeinträchtigt wurde.

Wir werden eine beträchtliche Anzahl an Strassensperren abbauen, die Bewegungsfreiheit in den Gebieten erhöhen, die Bewegungsmöglichkeit von Menschen und Gütern in beide Richtungen ermöglichen, die Abläufe an den Grenzübergängen zum Gazasteifen verbessern und die Freigabe von palästinensischen Geldern zur Erleichterung der schweren Lebensbedingungen, unter denen viele von euch leiden, veranlassen.

Wir können euch bei der Erstellung eines Plans zur wirtschaftlichen Rehabilitierung des Gazastreifens und Gebieten in Judäa und Samaria unterstützen.

Wir können euch bei der Gründung von Industriegebieten helfen, in Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft, um Arbeitsplätze und die Mittel, für ein Einkommen zur Führung eines anständigen Lebens, zu schaffen. Darunter fällt auch die Verringerung der anhaltenden Abhängigkeit vom israelischen Arbeitsmarkt.

Wir werden nach der Unterstützung von jenen arabischen Nachbarstaaten streben, die an einer friedlichen Lösung für den Konflikt zwischen uns interessiert sind, wie z.B. das Königreich Jordanien, Ägypten, Saudi-Arabien und die Golfstaaten, um von deren Erfahrungen zu profitieren sowie deren Unterstützung für direkte Verhandlungen zwischen uns zu erhalten.

Die Stimmen, die aus diesen Staaten hinsichtlich der Notwendigkeit einer Anerkennung und Normalisierung der Beziehungen zum Staat Israel – inklusive z.B. Teile der saudi-arabischen Friedensinitiative – kommen, sind positiv, und ich beabsichtige, mich zu bemühen, die Verbindungen zu diesen Staaten voranzutreiben und deren Unterstützung für direkte, bilaterale Verhandlungen zwischen uns und den Palästinensern zu stärken.

Ich habe mit grosser Aufmerksamkeit die ernsthaften Anstrengungen jener Staaten verfolgt, um ein Ende der Gewalt in der Region zu erreichen, und ich respektiere ihren aufrichtigen Wunsch, eine neue Atmosphäre zwischen uns zu schaffen, um so eine Lösung des Konfliktes zu erreichen.

Die internationalen Umstände, die kreiert wurden, besonders zur jetzigen Zeit, erlauben euch und uns, einen mutigen Schritt zu gehen, der beinhaltet, nötige und schmerzhafte Kompromisse zu machen und auf Träume zu verzichten, die so viele Jahre Teil unseres nationalen Ethos waren, und um ein neues Kapitel aufzuschlagen, das uns Hoffnung für ein besseres Leben für uns alle eröffnet.

Wir, der Staat Israel, sind damit einverstanden, Territorien und viele Gemeinden, die darin errichtet wurden, zu evakuieren. Das ist für uns sehr schwer, ähnlich wie die Teilung des Roten Meeres, doch wir werden es tragen, im Austausch für wahren Frieden.

Ihr müsst den Terror und die Gewalt gegen israelische Bürger im Süden, Zentrum und Norden des Landes beenden, unser Recht auf Leben in Sicherheit und Frieden neben euch anerkennen und von eurer Forderung auf das Rückkehrrecht ablassen.
Dies ist ein richtiges Ziel, ein natürliches Ziel, ein erreichbares Ziel.

Wenn ihr die nötige Bestimmtheit und Disziplin beweist, findet ihr in uns einen bereiten Partner. Der Staat Israel ist ein starker Staat. Seid nicht fehlgeleitet von unseren internen Differenzen, unseren politischen Rivalitäten oder der düsteren Stimmung, die wir manchmal ausstrahlen.

In einem gewalttätigen Kampf werden wir siegen, selbst wenn er lange dauert und viele Opfer fordert; selbst wenn mit eingeschlossen ist, dass Kompromisse bei der Lebensqualität gemacht werden müssen, hat der Staat Israel seine Stärke in der Vergangenheit bewiesen und ist auch heute darauf vorbereitet.

Stellt uns nicht erneut auf die Probe, was viele Schäden und Zerstörung bedeuten und zu Not und Verzweiflung führen würde.

Die Vergangenheit kann nicht geändert werden, und die Opfer des Konfliktes, von beiden Seiten der Fronten, können nicht zurückgebracht werden.

Diktate sind nutzlos, und gegenseitige Beschuldigungen sind nichts als sinnlose Wortspiele. Historische Rechnungen können nicht beglichen und Narben können nicht weggewischt werden.

Alles, was wir tun können, ist, weitere Tragödien zu verhindern, der jüngeren Generation einen hellen Horizont und Hoffnung auf ein neues Leben zu vererben. Lasst uns unsere Feindseligkeit und das „Säbelrasseln“ in gegenseitige Anerkennung, Respekt und direkten Dialog verwandeln.

Von hier, vom Rande der Klippe, die biblische Landschaft des Wadis Tzin überblickend, jener Gegend, die David Ben Gurion als endgültige Ruhestätte für sich und seine Frau Paula auswählte, ist der Ruf des Staates Israel nach Frieden klar und bestimmt zu hören.
Möge er widerhallen und positiv in diesen Zeiten beantwortet werden.

Möge die Erinnerung an David und Paula Ben Gurion gesegnet sein.

(Botschaft des Staates Israel, 28.11.)

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